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Indonesiens Vorstoß in der Halbleiterindustrie eröffnet Perspektiven für Optik- und Photonikunternehmen

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Anfang 2026 bestätigte die Regierung, dass Halbleiter nicht länger als langfristige Vision betrachtet werden, sondern als strategische Industrie gelten, die eng mit digitaler Wettbewerbsfähigkeit, industrieller Resilienz und der Sicherheit von Lieferketten verknüpft ist.

News Indonesia’s Semiconductor Push Opens Path for Optics and Photonics Companies

Anfang 2026 bestätigte die Regierung, dass Halbleiter nicht länger als langfristige Vision betrachtet werden, sondern als strategische Industrie gelten, die eng mit digitaler Wettbewerbsfähigkeit, industrieller Resilienz und der Sicherheit von Lieferketten verknüpft ist.

 

Im Januar 2026 erklärte der koordinierende Minister für Wirtschaft, Airlangga Hartarto, die Regierung habe eine Anfangsfinanzierung von 120 bis 250 Millionen US-Dollar (rund 4,2 Billionen IDR) für den Aufbau des indonesischen Halbleiterökosystems bereitgestellt, wobei sich die potenziellen Gesamtinvestitionszusagen auf bis zu 1 Milliarde US-Dollar belaufen könnten. Auf dem IBC Business Outlook 2026 in Jakarta bezeichnete Airlangga Halbleiter als eine kritische Lücke in der indonesischen Elektronik-Wertschöpfungskette, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Zollkonflikte und Lieferunterbrechungen.

 

„Halbleiter gehören zu den am dringendsten benötigten Komponenten, und Indonesien weist in diesem Bereich noch erhebliche Defizite auf“, sagte er und ergänzte, dass der Wiederaufbau nationaler Kapazitäten inzwischen Priorität habe.

 

Einen Tag zuvor hatte Airlangga eine separate Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen Arm Holdings bekannt gegeben. Dabei habe die Regierung 125 Millionen US-Dollar für eine Kooperation mit Arm zur Entwicklung des indonesischen Halbleiterökosystems vorgesehen. Er beschrieb dieses Vorhaben als ein „Aufholspiel“, da Indonesien im Vergleich zu regionalen Wettbewerbern spät gestartet sei.

 

Diese Ankündigungen bauen auf Vorarbeiten aus dem Jahr 2025 auf. Die indonesische Regierung hat eine eigene Taskforce für die Entwicklung von Halbleitern und Künstlicher Intelligenz eingerichtet, die Chipdesign, Ausbildung von Fachkräften, den Bau von Rechenzentren sowie Montage-, Test- und Verpackungskapazitäten abdeckt. Indonesien betreibt bereits ein KI-Rechenzentrum in der Sonderwirtschaftszone Nongsa (KEK) in Batam, das als einer der zentralen industriellen Treiber der digitalen Wirtschaft positioniert wird.

 

Während sich die öffentliche Diskussion über Halbleiter häufig auf Fabriken und Chips konzentriert, reichen die Technologien, die diese Ambitionen ermöglichen, weit über Silizium hinaus. Optik und Photonik stehen im Zentrum der Entwicklung, Herstellung, Prüfung und Anwendung von Halbleitern und bilden damit einen entscheidenden, oft frühzeitig zugänglichen Teil der Wertschöpfungskette.

Die Rolle der Photonik in der Halbleiterindustrie

Optik und Photonik umfassen Technologien zur Erzeugung, Manipulation und Detektion von Licht, darunter Laser, optische Sensoren, Bildgebungssysteme und optoelektronische Bauelemente. In der Halbleiterindustrie sind diese Technologien grundlegend und nicht lediglich ergänzend.

 

Laserbasierte Systeme werden in der Elektronikfertigung breit eingesetzt, etwa für Mikrobearbeitung, Schneiden, Bohren, Markieren, Trimmen und Oberflächenstrukturierung, insbesondere dort, wo mechanische Werkzeuge nicht die erforderliche Präzision erreichen. Ebenso zentral sind optische Mess- und Inspektionssysteme. Die Halbleiterproduktion ist auf optische Messtechnik angewiesen, um Defekte zu erkennen, kritische Abmessungen zu messen und eine präzise Ausrichtung sicherzustellen, da Bauteile immer kleiner und Verpackungen zunehmend komplexer werden.

 

Photonik ist auch für die Funktion von Chips im Einsatzbetrieb entscheidend. Siliziumphotonik und photonisch integrierte Schaltungen ermöglichen eine Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung in Rechenzentren und Telekommunikationsnetzen und unterstützen bandbreitenintensive Anwendungen wie Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz. Mit dem Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten steigt die Nachfrage nach photonikbasierten Komponenten parallel zur Nachfrage nach konventionellen Chips.

 

Indonesiens industrielle Entwicklung folgt dieser Logik. Das US-amerikanische Logistikunternehmen DHL veröffentlichte im Dezember 2025 eine Bewertung der indonesischen Halbleiterindustrie, in der eine wachsende Nachfrage nach optoelektronischen Komponenten wie LEDs und optischen Sensoren festgestellt wurde, getrieben durch Smart-City-Projekte, energieeffiziente Infrastruktur und Automatisierung. Derselbe Bericht ordnete Indonesien weltweit auf Rang 26 bei den Exporten von Halbleiterbauelementen ein und beschrieb, dass das Land seine Position durch staatliche Initiativen, internationale Partnerschaften und den Ausbau von Produktionskapazitäten stärkt.

 

Konkrete Beispiele für den Einsatz photonikbasierter Technologien sind bereits außerhalb der Fertigung sichtbar. Im November 2025 führte ein Krankenhaus in Jakarta Asiens ersten Photon-Counting-CT-Scanner ein, den NAEOTOM Alpha Pro von Siemens Healthineers, der mithilfe fortschrittlicher photonischer Detektion eine höhere Bildauflösung bei geringerer Strahlendosis ermöglicht. Obwohl die medizinische Bildgebung nicht zur Halbleiterproduktion zählt, spiegelt sie dasselbe Ökosystem wider: leistungsfähige Sensoren, Präzisionselektronik und fortschrittliche Datenverarbeitung, die allesamt auf Photonik beruhen.

Aufbau von Kompetenzen: Forschung, Zonen und industrielle Plattformen

Über politische Ankündigungen hinaus verankert Indonesien die Entwicklung von Halbleitern und Photonik zunehmend in konkreten Standorten und Institutionen. Im Dezember 2025 kündigte ein Konsortium aus indonesischen, US-amerikanischen und deutschen Unternehmen Pläne zum Aufbau von Halbleiter-, Siliziumsand- und Glasproduktionsanlagen auf der Insel Galang in Batam an, mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 26,7 Milliarden US-Dollar. Das Projekt befindet sich in einem Industriepark eines Nationalen Strategischen Projekts und umfasst die Produktion von Siliziumwafern, die Halbleiterfertigung sowie die nachgelagerte Verarbeitung von Siliziumdioxid und Quarz, Materialien, die eng mit Photonik und Optoelektronik verbunden sind.

 

Auch die Forschungskapazitäten werden formalisiert. Die Nationale Agentur für Forschung und Innovation (BRIN) betreibt ein eigenes Photonik-Forschungszentrum unter der Organisation für Nanotechnologie und Materialien. Das Zentrum hat den Auftrag, Forschung in den Bereichen Laser, Photonik und Optoelektronik voranzutreiben, mit Ergebnissen in Form von Patenten, Prototypen und industriellen Anwendungen. Ernennungen in Führungspositionen und Forschungsprogramme zeigen, dass Photonik als nationale Kompetenz und nicht lediglich als akademisches Fach positioniert wird.

 

Bandung entwickelt sich zu einem weiteren Schwerpunkt. Regierungspläne zur Einrichtung einer halbleiterorientierten Sonderwirtschaftszone in Verbindung mit dem Institut Teknologi Bandung (ITB) stellen Chipdesign, Nanofabrikation und optoelektronische Integration in den Mittelpunkt der technologischen Agenda der Stadt. Dieser Clusteransatz orientiert sich an regionalen Modellen, bei denen Forschungseinrichtungen, Pilotanlagen und Zulieferer räumlich gebündelt werden, um den Kompetenzaufbau zu beschleunigen.

Ausblick für Optik- und Photonikunternehmen

Indonesiens Halbleiterstrategie lässt sich als schrittweiser Aufbau verstehen, bei dem zunächst die Bildung eines Ökosystems im Vordergrund steht, bevor eine großskalige fortgeschrittene Fertigung erfolgt. In dieser Abfolge treten Optik- und Photonikunternehmen häufig früher in den Markt ein als Hersteller von Front-End-Chips, indem sie Werkzeuge, Systeme und Know-how für Messtechnik, Inspektion, Laserbearbeitung, Sensorik und optoelektronische Integration liefern.

 

Staatliche Finanzierungszusagen, benannte internationale Partner wie Arm, betriebsbereite Infrastrukturen wie das KI-Rechenzentrum in Nongsa sowie groß angelegte Material- und Fertigungsprojekte in Batam deuten auf einen Markt hin, der sich von der Absicht zur Umsetzung bewegt. Für Optik- und Photonikunternehmen entsteht dadurch Nachfrage nicht nur nach Komponenten, sondern auch nach Zusammenarbeit, Technologietransfer und langfristigen industriellen Partnerschaften.

 

Während Indonesien daran arbeitet, Lücken in seiner Elektronik- und Halbleiterlieferkette zu schließen, entwickelt sich Photonik zu einer der Technologien, die Ambitionen in konkrete Fähigkeiten übersetzen können. Damit positionieren sich Optik- und Photonikunternehmen als zentrale Enabler der nächsten industriellen Entwicklungsphase des Landes.

 

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