Deutsche Unternehmen im Ausland starten unter erneutem Druck in das Jahr 2026, doch Indonesien erweist sich im aktuellen AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 als bemerkenswerte Ausnahme.
Die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte Umfrage erfasst die Einschätzungen von mehr als 4.500 deutschen Unternehmen, Niederlassungen, Tochtergesellschaften und Firmen mit engen Verbindungen zu Deutschland weltweit.
Die übergeordnete Botschaft ist von Vorsicht geprägt: Die weltweiten Konjunkturerwartungen haben sich deutlich eingetrübt, da geopolitische Unsicherheit, höhere Energiepreise, Störungen in den Lieferketten und eine schwankende Nachfrage das internationale Geschäft belasten. Nur 21% der Unternehmen weltweit erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen an ihren Standorten in den kommenden zwölf Monaten verbessern, während 32% mit einer Verschlechterung rechnen.
Die Zahlen für Indonesien zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Laut dem statistischen Anhang des AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 bewerten 57% der deutschen Unternehmen in Indonesien ihre aktuelle Geschäftslage als gut, während nur 9% sie als schlecht einschätzen. Daraus ergibt sich für Indonesien ein Saldo der aktuellen Geschäftslage von +48 Punkten. Dieser liegt deutlich über dem Durchschnitt der Region Asien-Pazifik ohne China von +20 und über den Werten von Singapur (+10), Thailand (+11) und Vietnam (+15).
Noch stärker fällt der Ausblick für die eigene Geschäftsentwicklung aus. 60% der Befragten in Indonesien erwarten, dass sich ihr Geschäft in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird, während nur 6% mit einem Rückgang rechnen. Der daraus resultierende Saldo von +54 Punkten platziert Indonesien weit vor dem regionalen Durchschnitt von +28 sowie vor Vietnam (+15), Singapur (+3) und Thailand (-4).
Starker Unternehmensausblick trotz makroökonomischer Vorsicht
Deutsche Unternehmen in Indonesien bleiben hinsichtlich der lokalen Gesamtwirtschaft vorsichtig: 46% erwarten, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern wird, während nur 23% eine Verbesserung erwarten. Auch die Investitionsabsichten sind mit einem Saldo von -3 nahezu neutral.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass deutsche Unternehmen konkrete Chancen in ihren eigenen indonesischen Aktivitäten sehen, auch wenn sie breitere wirtschaftliche Risiken weiterhin im Blick behalten. Dieses Vertrauen auf Unternehmensebene wird durch Indonesiens jüngste makroökonomische Entwicklung gestützt. Die indonesische Statistikbehörde BPS berichtete, dass die Wirtschaft im ersten Quartal 2026 um 5,61% gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist, getragen von der binnenwirtschaftlichen Aktivität. Bank Indonesia prognostiziert für 2026 ein Wachstum in einer Spanne von 4,9% bis 5,7%.
In einer Region, die mit schwächerer externer Nachfrage und erneuten Sorgen um Energiepreise konfrontiert ist, scheint Indonesiens großer Binnenmarkt ein gewisses Maß an Widerstandsfähigkeit zu bieten. Auch wenn das Land nicht immun gegenüber globalen Schocks ist, zeigen sich die befragten Unternehmen hinsichtlich ihrer eigenen Perspektiven in Indonesien optimistischer als in mehreren Nachbarmärkten.
Die Umfrage zeigt zudem, dass sich Indonesiens Risikoprofil von dem anderer Volkswirtschaften im asiatisch-pazifischen Raum unterscheidet. Energiepreise werden von 40% der Befragten in Indonesien als Geschäftsrisiko genannt. Das liegt nahe am regionalen Durchschnitt, jedoch unter den Werten von Singapur, Thailand und Vietnam. Auch die Sorge über Rohstoffpreise ist in Indonesien mit 23% deutlich geringer als in Singapur und Thailand mit jeweils 52% sowie Vietnam mit 65%. Störungen in den Lieferketten werden von 29% der Unternehmen in Indonesien genannt, gegenüber 59% in Singapur, 50% in Thailand und 80% in Vietnam.
Diese Einschätzungen unterstreichen Indonesiens Stärke im Bereich natürlicher Ressourcen sowie die Struktur seines Binnenmarkts. Das Land ist der viertgrößte Kohleproduzent der Welt und der größte Gaslieferant Südostasiens. Zudem wird mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts durch den Binnenkonsum erwirtschaftet.
Dennoch bestehen weiterhin Risiken. Deutsche Unternehmen in Indonesien nennen die Wirtschaftspolitik mit 60% als ihre größte Sorge, gefolgt von Wechselkursen mit 51% und Nachfrage mit 46%. Auch die Weltbank hat gewarnt, dass sich das Wachstum in Ostasien und im Pazifikraum im Jahr 2026 aufgrund externer Schocks verlangsamt, darunter der Energieschock im Nahen Osten, Handelsbarrieren und politische Unsicherheit.
Die Herausforderung besteht nun darin, dieses Vertrauen in langfristige Investitionen umzuwandeln. Dafür benötigen Unternehmen verlässliche politische Rahmenbedingungen, Wechselkursstabilität, zuverlässige Liefernetzwerke und starke lokale Partnerschaften. In einer vorsichtigen Region deutet Indonesiens Abschneiden im aktuellen AHK World Business Outlook darauf hin, dass der Markt für deutsche Unternehmen weiterhin klar im Blick bleiben sollte.
Über den AHK World Business Outlook
Der AHK World Business Outlook (WBO) ist eine regelmäßige Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Zusammenarbeit mit den Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs). Die Frühjahrsumfrage 2026 erfasste zwischen dem 16. März und dem 10. April 2026 Antworten von mehr als 4.500 Unternehmen weltweit.
Die Berichte zum AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 finden Sie hier.