Die Wirtschaftskommission XI des indonesischen Repräsentantenhauses hat Destry Damayanti als neue Gouverneurin der Bank Indonesia (BI) für die Amtszeit 2026–2031 bestätigt. Vorausgegangen war ein Fit-and-Proper-Test am 26. August. Die Entscheidung fiel am 27. August im Konsens. Bevor die Ernennung rechtskräftig wird, muss sie noch vom Plenum des Repräsentantenhauses bestätigt werden, das für den 1. September angesetzt ist.
Destry führt die Zentralbank bereits seit Ende Juli kommissarisch, nachdem Perry Warjiyo am 25. Juli freiwillig von seinem Amt zurückgetreten war. Präsident Prabowo Subianto nominierte sie anschließend als einzige Kandidatin für den Gouverneursposten und übermittelte dem Parlament am 10. August ein entsprechendes Schreiben. Gleichzeitig billigte die Kommission Aida S. Budiman als Senior Deputy Governor und Solikin M. Juhro als Deputy Governor für die Amtszeit 2026–2031.
Destry gehört dem Gouverneursrat der Bank Indonesia seit 2019 an und wurde im August 2024 für eine zweite fünfjährige Amtszeit als Senior Deputy Governor bestätigt. Vor ihrem Wechsel zur Zentralbank war sie unter anderem Chefökonomin bei Mandiri Sekuritas und Bank Mandiri, leitete eine wirtschaftspolitische Taskforce im Ministerium für Staatsunternehmen und gehörte dem Aufsichtsrat der indonesischen Einlagensicherung LPS an. Sie studierte Volkswirtschaftslehre an der University of Indonesia und erwarb einen Master of Science in Regional Science an der Cornell University.
Bei ihrer Anhörung im Parlament stellte Destry eine Agenda vor, die auf Stabilität und nachhaltiges Wirtschaftswachstum ausgerichtet ist. Sie nannte drei zentrale Ziele: Stabilität als Grundlage für Wachstum zu sichern, zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum beizutragen und die Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren zu stärken. Darüber hinaus stellte sie fünf strategische Initiativen vor, die den geldpolitischen Policy-Mix, Devisenströme, inklusive und nachhaltige Finanzierung, institutionelle Governance und Innovation sowie eine stärkere politische Koordinierung umfassen.
Auch die Unabhängigkeit der Zentralbank war Thema der Anhörung. Destry betonte, dass eine enge Zusammenarbeit mit der Regierung innerhalb der jeweiligen institutionellen Zuständigkeiten fortgesetzt werden solle. „Synergie bedeutet nicht, dass wir unsere Unabhängigkeit verlieren“, sagte sie, wie von ANTARA zitiert. BI werde weiterhin geldpolitische, makroprudenzielle und zahlungsverkehrspolitische Instrumente miteinander kombinieren, anstatt sich auf ein einzelnes Instrument zu stützen.
Ihre Aussagen deuten zugleich auf Kontinuität in der Geldpolitik hin. Destry erklärte, dass bewährte Maßnahmen der bisherigen Führung fortgeführt würden, während in anderen Bereichen Anpassungen möglich seien. Bei der jüngsten Sitzung des Gouverneursrats am 18. und 19. August hielt BI unter ihrer kommissarischen Leitung den Leitzins bei 5,75 Prozent, den Deposit-Facility-Satz bei 4,75 Prozent und den Lending-Facility-Satz bei 6,50 Prozent. Die Zentralbank begründete dies mit dem Ziel, die Rupiah angesichts globaler Unsicherheiten zu stabilisieren, die Inflation im Zielkorridor von 2,5 Prozent ±1 Prozent zu halten und gleichzeitig das Wachstum zu unterstützen.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Präsentation war die Steuerung der Devisenströme. Destry kündigte an, die Überwachung von Fremdwährungsbewegungen durch detailliertere digitale Aufsicht und den verstärkten Einsatz von Supervisory Technology, kurz Suptech, auszubauen. Dazu gehört auch eine Überprüfung und stärkere Ausrichtung der bestehenden Devisenpolitik, unter anderem mit Blick auf Unterfakturierung. Dafür seien Daten und eine enge Zusammenarbeit verschiedener Institutionen erforderlich.
Destry hob zudem die Bedeutung tieferer inländischer Geld- und Devisenmärkte hervor. Diese seien Teil des geldpolitischen Instrumentariums der Zentralbank, um die Rupiah zu stabilisieren, Kapital anzuziehen und die Finanzierung der Realwirtschaft zu unterstützen. BI hat unter anderem Anreize und niedrigere Absicherungskosten eingesetzt, um Kapitalzuflüsse in Instrumente wie Bank Indonesia Rupiah Securities (SRBI) und Staatsanleihen (SBN) zu fördern.
Die Führungsentscheidung fällt in eine Phase veränderter außenwirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Indonesiens Leistungsbilanzdefizit weitete sich im zweiten Quartal 2026 auf USD 12,5 Milliarden beziehungsweise 3,3 Prozent des BIP aus, nach USD 3,6 Milliarden beziehungsweise 1,0 Prozent im ersten Quartal. BI führte dies unter anderem auf ein höheres Öl- und Gasdefizit, einen geringeren Handelsüberschuss außerhalb des Öl- und Gassektors sowie gestiegene Primäreinkommenszahlungen zurück. Gleichzeitig verzeichnete die Kapital- und Finanzbilanz einen Überschuss von USD 12,0 Milliarden, gestützt durch höhere Direkt- und Portfolioinvestitionen.
Während der Anhörung verwies Destry auch auf die Bedeutung einer stärkeren Exportentwicklung. Sie wies darauf hin, dass Indonesiens Leistungsbilanz bei Dienstleistungen und Primäreinkommen weiterhin Defizite aufweist und daher die Warenexporte eine wichtige Rolle für die außenwirtschaftliche Position spielen. Direktinvestitionen blieben dabei eine vergleichsweise stabile Finanzierungsquelle, während zugleich Portfoliozuflüsse aufrechterhalten werden müssten.
Auch inklusive und nachhaltige Finanzierung gehört zu den Schwerpunkten ihrer Agenda. Destry kündigte an, makroprudenzielle Maßnahmen zur Unterstützung inklusiver Finanzierung weiterzuentwickeln und den Rahmen für nachhaltige Finanzierungen auszubauen. Dazu zählen auch Instrumente und Methoden zur Messung von Emissionen und CO₂, die von Unternehmen und Finanzinstituten genutzt werden können.
Indonesiens Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 5,29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, nach 5,61 Prozent im ersten Quartal. BI erwartet für das Gesamtjahr ein Wachstum von 4,9 bis 5,7 Prozent. Die Zentralbank erklärte im August, dass die heimische Nachfrage weiterhin durch Staatskonsum und Investitionen gestützt werde, während bei den Exporten weiterer Handlungsbedarf bestehe.
Destrys Ernennung muss nun noch vom Plenum des Repräsentantenhauses bestätigt werden. Nach Abschluss des formellen Ernennungsverfahrens soll sie die Bank Indonesia gemeinsam mit der neu bestätigten Führungsspitze bis 2031 leiten.