Bis vor Kurzem verfügte nur ein kleiner Teil der kommunalen Gesundheitszentren Indonesiens, der sogenannten Puskesmas, über Ultraschallgeräte. Nach Angaben von Gesundheitsminister Budi Gunadi Sadikin waren lediglich 22 Prozent der Einrichtungen entsprechend ausgestattet.
Inzwischen wird die technische Ausstattung deutlich ausgeweitet. Innerhalb eines Jahres wurden rund 300.000 anthropometrische Messgeräte an integrierte Gesundheitsposten (Posyandu) auf rund 7.000 bewohnten Inseln verteilt. Zudem werden Röntgengeräte zur Tuberkulose-Diagnostik bereitgestellt und sogenannte Near-Point-of-Care-Testsysteme eingeführt, um Krankheitserreger und Infektionen frühzeitig erkennen zu können.
„Wir haben außerdem 10.000 Ultraschallgeräte an 10.000 kommunale Gesundheitszentren geschickt“, sagte Gesundheitsminister Sadikin, wie von Antara zitiert.
Die Maßnahmen stehen für einen breiteren Wandel im indonesischen Gesundheitssystem. Über Jahre lag eine der größten Herausforderungen darin, den Zugang zur medizinischen Versorgung überhaupt auszubauen. Zunehmend geht es nun darum, die Leistungsfähigkeit bereits erreichbarer Einrichtungen zu stärken, insbesondere außerhalb der großen Ballungsräume.
Ausbau des Gesundheitswesens im Entwurf des Staatshaushalts 2027
Quelle: Indonesisches Gesundheitsministerium, Kabinettssekretariat
Ziel des Ausbaus ist es, weiterführende medizinische Leistungen näher an die Patienten zu bringen.
Regionale Krankenhäuser werden unter anderem mit Technologien für die Herzdiagnostik, CT-Systemen, Mammografie- und Ultraschallgeräten ausgestattet. Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Krankenhauskapazitäten, sondern auch darum, lange Anfahrtswege und Überweisungen in größere Städte zu reduzieren.
In benachteiligten, abgelegenen und äußeren Regionen wurden bereits 66 Krankenhäuser entwickelt, von denen 22 inzwischen in Betrieb sind. In der nächsten Ausbauphase soll insbesondere die Behandlung von Krebs, Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Nierenerkrankungen sowie die Mutter-Kind-Versorgung gestärkt werden.
Darüber hinaus plant die Regierung, Gesundheitsleistungen in abgelegenen Regionen über Kliniken an Standorten der Koperasi Merah Putih anzubieten. Damit soll ein weiterer Zugangspunkt zur medizinischen Versorgung außerhalb größerer Gesundheitszentren geschaffen werden.
Fachkräftemangel bleibt eine Herausforderung
Neue Gebäude und Medizintechnik allein reichen jedoch nicht aus.
Indonesien verfügt weiterhin über zu wenige Gesundheitsfachkräfte, die zudem regional ungleich verteilt sind. Eine Arbeitsmarktanalyse des Gesundheitsministeriums und der Weltgesundheitsorganisation WHO kommt auf rund 41 Gesundheitsfachkräfte je 10.000 Einwohner. Im Durchschnitt der westpazifischen Region sind es 82,7.
Besonders ausgeprägt ist der Engpass bei Fachärzten. Die derzeit verfügbaren Kapazitäten decken nur etwa die Hälfte des geschätzten Bedarfs.
Hinzu kommt die regionale Verteilung. Nach Angaben der WHO konzentrieren sich sowohl medizinisches Fachpersonal als auch Ausbildungsprogramme für Spezialisten weiterhin stark auf urbane Zentren. Gerade jene Regionen, in denen die Gesundheitsinfrastruktur ausgebaut werden soll, verfügen daher häufig nur eingeschränkt über qualifiziertes Personal.
Personalbedarf im Gesundheitswesen
Quelle: Kabinettssekretariat
Die Regierung versucht, die Ausbildungskapazitäten sowohl im Inland als auch durch internationale Zusammenarbeit auszubauen. Neben neuen fachärztlichen Ausbildungsprogrammen an Universitäten und Krankenhäusern wurde auch der Einsatz ausländischer Spezialisten erleichtert, unter anderem mit Blick auf Wissenstransfer und medizinische Ausbildung.
Ein im April 2026 unterzeichnetes Abkommen mit der japanischen International University of Health and Welfare umfasst beispielsweise postgraduale klinische Ausbildung, Facharzt-Fellowships, Austauschprogramme und technische Unterstützung durch japanische Experten in Indonesien.
Auch digitale Technologien spielen eine zunehmende Rolle. Telemedizin, Fernüberwachung, Datenanalyse und stärker integrierte digitale Systeme können medizinische Leistungen über klassische Krankenhausstrukturen hinaus verfügbar machen. PwC Indonesia erklärte im Mai, dass sich Gesundheitsanbieter zunehmend in Richtung dezentraler und digital unterstützter Versorgungsnetzwerke entwickeln, wobei Krankenhäuser weiterhin eine zentrale Rolle spielen dürften.
Insgesamt steigt damit nicht nur der Bedarf an neuer Gesundheitsinfrastruktur, sondern auch an den Technologien und Fachkenntnissen, die eine moderne medizinische Versorgung ermöglichen. Dazu gehören unter anderem medizinische Bildgebung, Diagnostik, Labortechnik, digitale Gesundheitssysteme, Lösungen für spezialisierte Behandlungen sowie qualifiziertes Personal für deren Einsatz.
Für ausländische Gesundheitsunternehmen eröffnet die Entwicklung Geschäftsmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig setzt ein erfolgreicher Markteintritt Kenntnisse über lokale Regulierung, Beschaffungsstrukturen, gesundheitspolitische Prioritäten und geeignete Partner voraus. Diese Faktoren werden entscheidend dafür sein, wo und in welcher Form internationale Expertise zum Ausbau der indonesischen Gesundheitsversorgung beitragen kann.