Indonesien zählt zu den führenden ASEAN-Märkten für die künftige Expansion europäischer Unternehmen. Das zeigt die Business Sentiment Survey 2026 des EU-ASEAN Business Council (EU-ABC). Südostasien bleibt für europäische Unternehmen ein wichtiger Standort für Handel, Investitionen und die Diversifizierung globaler Lieferketten.
Europäische Unternehmen blicken weiterhin mit Zuversicht auf Südostasien. Dabei entwickelt sich Indonesien zu einem der wichtigsten Märkte für zukünftige Expansionen. Dies geht aus der am 8. September veröffentlichten EU-ASEAN Business Sentiment Survey 2026 hervor.
Laut der jährlich vom EU-ASEAN Business Council durchgeführten Umfrage erwarten 78 % der Befragten, dass ihr Handel und ihre Investitionen in ASEAN in den kommenden fünf Jahren zunehmen werden. Im Vorjahr lag dieser Anteil bei 71 %. Gleichzeitig sehen 61 % der Befragten ASEAN als die Region mit den größten wirtschaftlichen Chancen in den kommenden fünf Jahren – vor China und Südasien.
Die mittlerweile zwölfte Ausgabe der Umfrage untersucht die Perspektiven europäischer Unternehmen auf Südostasien. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die makroökonomische Entwicklung, regulatorische Rahmenbedingungen, die regionale Integration sowie Handelsentwicklungen.
Indonesien mit hoher Expansionserwartung
Besonders großes Interesse besteht an einer Expansion in Indonesien.
57 % der Befragten planen, ihre Geschäftstätigkeit oder Investitionen in Indonesien in den kommenden fünf Jahren auszuweiten. Damit liegt Indonesien auf Platz zwei unter den ASEAN-Märkten, hinter Vietnam mit 64 %. Malaysia und Thailand folgen mit jeweils 49 %, Singapur mit 44 % und die Philippinen mit 43 %.
Die Ergebnisse sind auch vor dem Hintergrund der bereits starken Präsenz europäischer Unternehmen in Indonesien bemerkenswert. Rund 72 % der Befragten gaben an, bereits in Indonesien geschäftlich aktiv zu sein.
Gleichzeitig bleibt Indonesien auch für Unternehmen interessant, die bislang noch nicht im Land vertreten sind. Unter den Befragten ohne bestehende Präsenz in Indonesien erwägen 32 % einen Markteintritt. In Vietnam liegt dieser Anteil bei 34 %, während die Werte für die meisten anderen ASEAN-Staaten deutlich niedriger ausfallen. Der Bericht identifiziert damit Vietnam und Indonesien als die beiden Märkte der Region, die sowohl eine etablierte Präsenz europäischer Unternehmen als auch weiteres Wachstumspotenzial aufweisen.
Wirtschaftswachstum und Geschäftschancen sind weiterhin die wichtigsten Faktoren für eine Expansion in ASEAN. Zwei Drittel der Befragten nannten wirtschaftliche Erholung und Wachstumsperspektiven als einen ihrer drei wichtigsten Expansionsgründe. Darüber hinaus spielen geeignete gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen, die Diversifizierung des Kundenstamms sowie wettbewerbsfähige Produktionskosten eine wichtige Rolle.
ASEAN gewinnt für europäische Unternehmen weiter an Bedeutung
Die Ergebnisse zeigen einen langfristigen Wandel in der Wahrnehmung Südostasiens durch europäische Unternehmen.
73 % der Befragten gaben an, dass die ASEAN-Märkte in den vergangenen zwei Jahren für ihre weltweiten Umsätze an Bedeutung gewonnen haben. Dieser Anteil liegt bereits bei vier aufeinanderfolgenden Umfragen auf einem ähnlichen Niveau. Dies deutet darauf hin, dass die Bedeutung ASEANs zunehmend struktureller Natur ist und nicht lediglich eine kurzfristige Reaktion auf Veränderungen der Weltwirtschaft darstellt.
Auch bei der Diversifizierung globaler Lieferketten gewinnt ASEAN weiter an Bedeutung. Von den Unternehmen, die ihre Lieferketten bereits neu ausrichten oder eine solche Anpassung planen, ziehen 67 % ASEAN als Standort in Betracht. Zum Vergleich: 29 % nannten Südasien und 24 % China.
Gleichzeitig weist die Umfrage auf Bereiche hin, in denen weitere Verbesserungen zusätzliche Investitionen fördern könnten. Dazu zählen insbesondere eine höhere regulatorische Planungssicherheit, der Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse und effizientere Zollverfahren.
I-EU CEPA könnte Indonesiens Position weiter stärken
Für Indonesien kommen die Ergebnisse zu einem wichtigen Zeitpunkt in den Wirtschaftsbeziehungen mit Europa.
Die Verhandlungen über das Indonesia-EU Comprehensive Economic Partnership Agreement (I-EU CEPA) wurden 2025 abgeschlossen. Nun stehen die Unterzeichnung und die anschließende Umsetzung des Abkommens an. Der EU-ABC-Bericht sieht das Abkommen als Teil einer breiteren Dynamik zur Vertiefung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und den ASEAN-Staaten.
Auch die Aktivitäten der EKONID mit den in Indonesien tätigen Unternehmen spiegeln diese positive Entwicklung wider. In der jüngsten General Business Outlook Survey der EKONID wurde der Fortschritt beim I-EU CEPA von den relevanten Befragten als die positivste innenpolitische Entwicklung bewertet; kein Befragter bewertete dessen Auswirkungen negativ.
Die Kombination aus starken wirtschaftlichen Fundamentaldaten, anhaltendem Expansionsinteresse europäischer Unternehmen und einem neuen handelspolitischen Rahmen könnte Indonesiens Rolle in den ASEAN-Strategien europäischer Unternehmen weiter stärken.
Für deutsche Unternehmen eröffnen sich dadurch Chancen in zahlreichen Branchen. Gleichzeitig gewinnt ein fundiertes Verständnis des indonesischen Regulierungsumfelds, der Marktstrukturen und lokaler Geschäftsnetzwerke weiter an Bedeutung.